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Bierbrunnenfest: Tradition erfolgreich neu belebt

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Bürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein zapft mit Bierkönigin Anna Winkler die erste Halbe

Regensburg – Kurz nach dem mittäglichen Angelus-Läuten vom benachbarten ehrwürdigen Dom St. Peter stieg am Sonntag die Spannung rund um den Brunnen im Innenhof des Bischofshof am Dom. Kurzen Begrüßungsworten von Bürgermeisterin und Schirmherrin Dr. Astrid Freudenstein und Geschäftsführer Eric Hagelstein folgte ein Countdown – und die erste, frisch gezapfte Halbe Bier aus dem Gänsepredigtbrunnen. Das Team vom Bischofshof hatte die Geschichtsbücher gewälzt und mit Hilfe der Brauerei die in einem Schacht unter dem Brunnen verbaute Schanktechnik erneuert, damit traditionell aus dem von Joseph Michael Neustifter im Jahr 1980 geschaffenen Brunnen fortan wieder Bier fließt.

Bisher kannte sie nur zwei Formen des Bierausschankes, aus der Flasche und aus dem Fass, räumte Bürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein ein, bevor sie die dritte Dimension mit Unterstützung der Bayerischen Bierkönigin Anna Winkler erfolgreich in Gang setzte. Martin Sperger, Gastro-Verkaufsleiter der Brauerei Bischofshof, Restaurantleiter Sebastian Ostermeier und Eric Hagelstein sorgten dann nach einem Tusch von „Die 6 lustigen Fünf“ zur Freude der Gäste für die erste Freirunde. Dass auch die kleinen Gäste auf ihre Kosten kamen, war das Clowntheater Spectaculum mit dem Kinderland Phantasia engagiert worden. Über einen Hotelflohmarkt wurden zugunsten des VKKK altes Hotelgeschirr und verschiedene Dinge aus dem Fundus angeboten. 

Die Geschichte von einem Brunnen im Bischofshof am Dom geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Der zeitgenössische Künstler Joseph Michael Neustifter griff in seiner Neuauflage des Brunnens im Jahr 1980 nicht nur die Fabel der Gänsepredigt auf, sondern bildete über vier Reliefs an den Außenwänden des Bronzekunstwerks die Geschichte des Bischofshof am Dom ab: die Gründung der Brauerei von 1649, die Verleihung der Kurwürde an Maximilian von Bayern 1623, die Übergabe der freien Reichsstadt Regensburg an das Königreich Bayern 1810 und letztlich die Gründung des neuen Brauhauses in der Heitzerstraße im Jahr 1910. Die Gänsepredigt, die am Brunnenstock dargestellt wird, besagt laut Kulturdatenbank der Stadt Regensburg: „Während ein Priester predigend vor Gänsen steht, öffnet sich der Mantel am Rücken und seine wahre Gestalt wird sichtbar – der Wolf, der eine Gans am Hals ergreift. Somit wird das Böse enthüllt.“

„Abgesehen von einem kleinen Regenschauer ein rundum gelungenes Fest“, resümierte Eric Hagelstein am Nachmittag und bedankte sich bei allen, die im Vorfeld zur Wiederbelebung der Tradition beigetragen hatten. Bierbrunnen gibt es nach umfassenden Recherchen in Bayern in den fränkischen Orten Volkach und Krautheim sowie in Ingolstadt, wo im Jahr 1516 das Reinheitsgebot für Bayerische Bier verkündet wurde. Dass in Regensburg das Bierbrunnenfest seinen festen Platz zum Beginn der Sommerferien im Veranstaltungskalender einnehmen soll, liegt nicht nur an der gelungenen Premiere, sondern auch an der harmonischen Einbindung des Veranstaltungsortes inmitten des UNESCO-Weltkulturerbes.  

Fotos: Hans-Christian Wagner

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